|
Im Religionsunterricht der 2. Klassen unserer Schule wurde die Losung im Titel ausnahmsweise einmal wörtlich genommen. Schülerinnen und Schüler bekamen den Auftrag, im Rahmen eines klasseninternen Wettbewerbs in Kleingruppen einen Kirchenbau zu entwerfen. Besonderes Augenmerk wurde auf Formgebung und Ausschmückung, Stabilität, religiöse Symbolik und Umsetzbarkeit gelegt. Verwendet werden durften dabei – neben kreativen Ideen und göttlicher Eingebung – nur farbiges Papier, die Hilfsmittel Klebstoff und Schere sowie Lineal und Buntstifte. Die Kirchen wurden nach Abschluss des Projekts von den BaumeisterInnen selbst bewertet und die Sieger vergangene Woche prämiert.
Die Schwierigkeit, so ein Schüler, lag dabei weniger in der Ideenfindung als darin, alle Vorschläge der Gruppe unterzubringen. Gerade der Gruppe dieses Schülers gelang dies mit der gut durchdachten Gliederung des hellen Innenraumes und der Planung und Miteinbeziehung der Nebenräume aber hervorragend. Weder Sakristei noch Beichtstuhl fehlen hier, der Besucher wird mit einem Gebet über der Eingangstüre willkommen geheißen und zum Verweilen eingeladen.
Eine andere Gruppe begabter Architekten erarbeitete einen Entwurf, in dem der Gegensatz zwischen eckigen und runden Formen eine erhabene Einheit bildet. Als einziges Gebäude trägt diese Kirche über der Apsis ein Kuppeldach, dem ein runder Turm entspringt. Neben dem Eingangstor ragen zwei im Grundriss quadratische Türme auf, die in pyramidenförmigen Dächern enden und eine Meisterleistung in der praktischen Umsetzung darstellen.
Zwei Gruppen arbeiteten Entwürfe für ein Gotteshaus basierend auf organischen Formen aus. So entstand das Prunkstück: Eine Marienkirche in Schneckenform, deren Gehäuse mit Maria und Jesus darstellenden Miniaturbildern kunstvoll gestaltet wurde. Diese architektonische Meisterleistung wurde zur besten Kirche ihrer Klasse gewählt. Die bauliche Herausforderung der runden Form meisterte auch jene Gruppe, die ihre Kirche in Form des frühchristlichen Symbols des Ichthys, eines Fisches, erbaute. An den geschwungenen blaugeschuppten Fischkörper schmiegt sich eine grüne Meeresalge – der Kirchturm! –, welcher als Kreuz einen Anker auf seinem Dach trägt.
Manche Gruppen setzten auf besonders liebevoll gestaltete Dekoration. So wurden Kirchen mit einer beweglichen Kirchenglocke im Glockenturm oder mit prächtigen roten Teppichläufern ausgestattet. Eine Gruppe hat ihre sogenannte sieben-türmige „Kirchi“ reichlich mit vielfarbigen Mosaikfenstern und Rosengirlanden geschmückt, wodurch sie sehr freundlich und einladend wirkt und zur schönsten Kirche dieser Klasse gewählt wurde.
Mitbewerberinnen außer Konkurrenz waren die mit 10x3x10 cm kleinste, jedoch innen voll ausgestattete Kirche, sowie eine Kirche, in der „jeder willkommen ist“. Am hinteren Ende beherbergt sie einen Obdachlosenunterschlupf, der weder bunte Kissen noch den Feuerlöscher zur offenen Feuerstelle vermissen lässt. In dieser Klasse gewann allerdings der schlichteste Kirchenbau. Mit ihrer klaren und einfachen Form als „Kirche am Land“ geplant, ist sie, an einem See gelegen, über einen hölzernen Steg zu erreichen.
Mag.a Andrea Mayr |