Vor kurzem endete das österreichweite Handy-Experiment, bei dem man drei Wochen auf das Smartphone und Social Media verzichtet. Auch ich habe mich im Rahmen dieses Experiments für einundzwanzig Tage von meinem Handy getrennt. Ich möchte euch ein wenig erzählen, wie diese Zeit für mich war, von Schwierigkeiten mit den Öffis bis hin zur Wirkung auf meine Motivation und Produktivität.
Am vierten März schaltete ich gemeinsam mit rund 70.000 anderen Schüler:innen mein Smartphone aus. In meiner Klasse wurde die Stimmung ein wenig angespannt. Wie sollten wir diese drei Wochen ohne unseren ständigen, elektronischen Begleiter schaffen?
Woche 1
Trotz anfänglicher Unruhe bemerkte ich schon in der ersten Woche Verzichts eine positive Veränderung in meinem Leben: Ich war produktiver! Anstatt Aufgaben aufzuschieben, erledigte ich sie relativ schnell, sobald ich Zeit hatte. Normalerweise wäre ich stattdessen an meinem Handy, aber weil ich es nicht bei mir und ich auch sonst keine andere Beschäftigung hatte, erfüllte ich einfach meine Pflichten. Ich traf mich in dieser Woche auch sehr oft mit meinen Freund:innen – zum letzten Mal Eislaufen diese Saison, in einem Café zum Schreiben und spontan mit einer Freundin, um die Zeit vor meinem Tennis-Training zu überbrücken. Nervig war es nur beim Organisieren dieser Dinge, immer ewig für SMS auf meinem während des Experiments erlaubten Nokia zu brauchen. Außerdem musste ich immer meine Eltern bitten, für mich nachzuschauen, wann welche Öffis zu den Treffpunkten fuhren. Auch schade war, dass ich von manchen Sachen oder Personen keine Fotos machen konnte. Das ging mir echt ab, denn ich liebe es, witzige Fotos mit meinen Freund:innen zu machen.
Woche 2
Da ich während dieser Wochen kein Spotify verwenden konnte, um mich während des Fertigmachens für die Schule zu unterhalten, hörte ich auch oft das Ö1-Morgenjournal. Deswegen war ich immer top informiert, was in der Welt gerade so ablief und wenn ich ehrlich bin, war es sogar spannender, als Musik zu hören. Wenn ich aber laufen war, gingen mir meine Songs schon ab. Als ich mit meiner Mama und einer Freundin zusammen war, ging es noch, aber als ich alleine joggen war, ging mir die Stille ein wenig auf die Nerven. Dadurch habe ich aber meine Gedanken mehr schwelgen lassen und bin deswegen einmal sogar zu einer sehr interessanten Erkenntnis über eine mir wichtige Person gekommen. Darüber hinaus war ich viel mehr mit meinen Geschwistern im Garten als normalerweise. Wir spielten scheinbar belanglose Dinge, aber mir ist aufgefallen, dass ich so etwas, ohne es zu wissen, vermisst hatte.
Woche 3
In dieser Woche, aber auch in den vorigen zwei, spielten wir in der Schule viele Kahoots (falls sie jemand nicht kennt: das sind online Live-Quizzes, bei denen man per Code einsteigt und gegeneinander spielt). Dafür benötigt man aber ein Smartphone. Da nicht unsere ganze Klasse bei dem Handy-Experiment mitmachte, konnte ich zwar manchmal bei anderen mitspielen, aber besonders toll war das nicht. Es kam mir ein wenig so vor, als würden wir in diesen einundzwanzig Tagen besonders viele Quizspiele spielen, viel mehr als sonst. Auch bei einfachen Recherchen fehlte mir mein Smartphone und bei manchen Dingen, wie bei der Erstellung eines Lernplans hätte ich schon gerne Chat GPT nach Hilfe gefragt. Positiv aufgefallen ist mir aber die Wirkung des Handy-Experiments auf mein Schlafverhalten. Ich ging früher schlafen, weil ich einfach keine Ablenkung am Abend hatte. Normalerweise würde ich abends noch schnell checken, ob mir jemand geschrieben hat oder ob es etwas Neues gibt. Meistens bleibe ich dann aber doch woanders hängen und kann mich erst eine halbe Stunde später wieder von meinem Smartphone losreißen. Während dieser drei Wochen war mir das logischerweise nie passiert und ich bin deswegen immer mindestens eine halbe Stunde früher schlafen gegangen als sonst. Das wirkte sich definitiv positiv auf mein Wohlbefinden aus. Beim Training aber auch in der Schule war ich deswegen meist ein wenig motivierter als sonst.
Sollte man also ganz auf das Smartphone verzichten?
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der dreiwöchige Verzicht auf mein Handy eine richtig tolle Erfahrung war und sich in vielen Aspekten, wie Produktivität und Schlafverhalten positiv ausgewirkt hat. Jedoch bieten moderne Smartphones einfach zu viele Vorteile, als dass ich mein Leben lang auf sie verzichten könnte. Egal ob Musik, Fotos, Gruppenchats oder einfache Recherchen, Tastenhandys können das alles nicht. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass ich mein Smartphone in Zukunft bewusster und weniger verwenden werde. Und ich denke, das sollten wir alle ein wenig mehr versuchen.
Nora Leitl, 4e